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Selvaggio Blu- 2011/2012

Es ist stockdunkel, eine kräftige Böe reißt mein Tarp fort. Ein Donner ist zu hören und ein heftiger Platzregen trübt die Idylle, die unter einem klaren Sternenhimmel begonnen hatte. Ich raffe mein Tarp zusammen, wickle mich darin ein.  Das Gewitter kommt rasch näher. Blitz und Donner wechseln sich in immer kürzeren Intervallen ab. Es kracht gewaltig. In unmittelbarer Nähe schlagen Blitze ein. Während ich mich unter meinem Tarp hinkauere, um die Folgen eines nahen Blitzeinschlages zu vermindern, liegen meine Freunde seelenruhig in ihren Aluminium bedampften Biwacknotsäcken im Nassen...

Aber zunächst von vorne:

Der Selvaggio Blu ist eine unvergleichliche Trekkingtour, die in 5-7 Tagen an Sardiniens Ostküste von Santa Maria Navarese nach Cala Gonone führt.

Nur durch Zufall bin ich 2010 in einer Outdoorzeitschrift über diese Traumtour gestolpert. Mehr als zwei Zeilen waren ihm nicht gewidmet, aber dies sollte reichen meine Neugierde zu wecken. Es war von einer der schwersten Trekkingtouren Europas die Rede...

Ob der Selvaggio Blu tatsächlich eine derartige Herausforderung ist und welche Erlebnisse wir auf der Tour gemacht haben, möchte ich im Folgenden berichten.

Während ich beim ersten Versuch (2011) noch schlecht ausgerüstet und aufgrund von Wassermangel vorzeitig aussteigen musste, verlief der zweite Anlauf im darauf folgenden Jahr besser. Hier haben wir den offiziell in 7 Tagesetappen beschriebenen Weg, in 5 Tagen zurückgelegt und dabei unsere gesamte Verpflegung inklusive Essen und Wasser mitgeschleppt.

1. Tagesetappe: Santa Maria Navarese - Porto Pedroso

Es gibt verschiedene Wege wie man zum Ausgangspunkt, St. Maria Navarese, kommt. Wir hatten einen Mietwagen und so gibt es die Möglichkeit den Wagen entweder am Start oder am Ziel in Cala Gonone abzustellen. Lässt man das Auto in letzterem Ort stehen, so muss man morgens mit dem Bus zunächst von Cala Gonone nach Dorgali, dort umsteigen und dann weiter nach St. Maria Navarese. Dadurch kann man frühestens um 13 Uhr mit der Trekkingtour starten. Wir haben uns spontan für die zweite Möglichkeit entschieden und sind im Dunkeln in St. Maria angekommen. Mietwagen im Ort abstellen ist kein Problem. Dort steht er recht sicher. Nach einer großen Umpackaktion geht es mit Stirnlampen um 22 Uhr in Richtung Pedra Longa. Der erste Abschnitt verläuft auf einem guten Pfad, ohne große Höhenunterschiede, ohne Orientierungsprobleme und ist im Dunkeln kein Problem. Gegen Mitternacht kommen wir am Pedra Longa an. Theoretisch könnte man die Tour auch hier beginnen. Aber man kommt nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin und den Mietwagen würde ich auf keinen Fall dort stehen lassen.

   

Schlafplatz bei Pedra Longa

 

Cuile de us Piggius

Mit dem Sonnenaufgang beginnt die eigentliche erste Etappe. Nach nur zweieinhalb Stunden erreichen wir auf guten Pfaden das offizielle Ende der ersten Etappe: Cuile de us Piggius (650 hm). Es geht weiter zur Cuile Comidaboes. Hier leben eine ganze Menge Wildschweine und die wissen warum.  Man kann nämlich gut und geschützt hinter einem Gemäuer sein Lager aufschlagen (im Vorjahr haben wir hier geschlafen).

Der folgende Abschnitt beschert uns traumhafte Ausblicke, Sonne, ein langgestrecktes Karstplateau dann wieder Nebel und Regen. Es zieht sich allerdings gewaltig und ab der Cuile Sisiera den richtigen Weg zu finden ist uns - auch beim zweiten Versuch - nicht gelungen. Es gibt zwar mehrere mögliche Routen, diese dauern aber deutlich länger als angegeben. Nur einen Weg gibt es allerdings durch den Bacu Tenadili. Einen spektakulären Abstieg auf Wacholderstämmen in die Schlucht hinein und eine schöne Kletterstelle (etwa Grad III) aus ihr heraus. Erst 5-6 Meter an ausschließlich tollem Fels nach oben, dann nach rechts querend (mit Stahlseil und Wacholderstamm) weiter und noch einmal 5 Meter ungesichert, nun aber mit deutlich mehr Luft unterm Hintern, nach oben. Hier muss man absolut schwindelfrei sein und nichts gegen leichte ausgesetzte Kletterstellen ohne Sicherung haben. Die Felsqualität ist aber klasse und die Stelle, selbst bei Regen (wie bei uns) sicher kletterbar.

   

Abstieg in die Bacu Tenadili

 

Porto Pedrosu

Es folgen noch einmal traumhafte Aussichten und kurz darauf die Schlafmöglichkeiten, entweder an der Bucht Portu Pedrosu oder bei Portu Cuau, hier jedoch ohne Möglichkeit im Meer zu baden.

Statt den angegebenen 6 Stunden sollte man lieber mit 8-10 Stunden für den als 2. Tagesetappe beschrieben Abschnitt einplanen. Wir haben für die Doppeletappe von der Pedra Longa bis Porto Pedrosu etwa 12 Stunden gebraucht.

2. Tagesetappe: Porto Pedrosu - Cala Goloritze

Die Nacht war schrecklich. Das Gewitter hat uns im Schlaf überrascht. Die Schlafsäcke und vieles weitere sind klitschnass. Dafür hat sich das Wetter wieder beruhigt und ohne Schwierigkeiten kommen wir voran. Richtig aufregend wird es erst wieder gegen Ende der Etappe nach der Cuile Pilighittu. Es gibt zwei Möglichkeiten: 1. Man geht links um den Punta Salinas bis zur Cuile Salinas. Dabei sollte man nicht schon vorher einen Geröllhang in Richtung Cala Sisine hinabsteigen. Dies haben wir beim ersten Mal gemacht, da wir die Cuile Salinas nicht gefunden hatten. Wir sind zwar auch unten angekommen, aber sehr mühselig und mit großen Umwegen.  Aufregender ist die 2. Variante. Hier geht man rechts um den Punta Salinas herum und kommt etwa 10 Meter oberhalb der Cuile Salinas heraus. Jetzt zunächst ein paar Meter steil herunterkraxeln (noch sicher möglich) und dann an einem an den Fels gelehnten Stamm 5 Meter absteigen. Ob diese Konstruktion noch ausreichend stabil ist, muss jeder selbst beurteilen und ggf. den 30 Minuten Umweg in Kauf nehmen. Lebend unten angekommen ist das Gefühl jedoch phantastisch. Aus meinen Notizen: Es hängt ein Bäumchen zum Festhalten herunter. Befestigt an zwei dünnen Wurzeln, eine bereits gerissen. Das Bäumchen fixiert über eine dünne Bandschlinge zusätzlich den Hauptstamm und schützt ihn vor dem Umkippen....glücklicherweise ist der Stamm unten mit Steinen zusätzlich fixiert.

Nun gehts den steilen Geröllhang hinunter. Und leider kann man sich im unteren Abschnitt schon wieder verlaufen. So verlief unser Weg plötzlich durch eine nie begangene, winzig kleine, völlig zugewachsene Nebenschlucht. Aber fast alle Wege führen nach unten und schon bald konnten wir in der Cala Goloritze ins Wasser springen und das erste Mal seit Beginn der Tour auf andere Menschen treffen. Wasser ist ein wichtiges Stichwort: In der Mitte der Bucht gibt es eine kleine Quelle, bei der man seinen Wasservorrat auffüllen kann. Im Sommer soll diese versiegen, im März und April war genügend Wasser zum Filtern vorhanden. Wir haben mit dieser Quelle als einzige sicher existierende Wasserversorgung geplant und entsprechend pro Person 8 Liter aufgefüllt. Dass auch auf den folgenden Etappen genügend Wasser vorhanden war, wussten wir hier noch nicht.

Camping ist hier offiziell verboten. Wer auf dem Trek unterwegs ist, hat wenig andere Möglichkeiten und auch die geführten Selvaggio Blu Touren schlagen hier ganz offensichtlich Ihre Zelte auf. Probleme sollte es also keine geben.

Obwohl wir eine Stunde Pause gemacht haben brauchen wir nur 8 Stunden für die Etappe. Hier passen die Zeitangaben des Buches.

   

Leichte Kraxelstellen gibt es auf jeder Etappe

 

Abenteuerlicher Abstieg zur Cuile Salinas

3. Tagesetappe: Cala Goloritze - Bacu Mundaloru

Auf dieser Etappe erwarten uns die ersten Kletterstellen für die wir ein Seil im Gepäck haben. Zunächst wandert man für eine knappe halbe Stunde bergauf - wieder auf dem Weg vom Vortag. Danach geht es auf einem steilen Geröllhang weiter steil hinauf bis zum Ausgangspunkt der ersten Kletterstelle. 3 Hakenlaschen erwarten einen auf der als Grad IV angegebenen Kletterei. Auf ca. 4 m Höhe kann das erste mal geklippt werden, die übrigen zwei Hakenlaschen sind in kürzeren Abständen. Ein quer eingeklemmter Stamm soll den Einstieg erleichtern, ich habe ihm nicht so richtig getraut. Ich bin die Stelle ohne Rucksack vorgestiegen. Ein Stand lässt sich wunderbar an einem Baum nach etwa 10 m einrichten. Am besten klettert der Nachsteiger zweimal und bringt den Rucksack mit. Für eine Stelle im 4. Grad fand ich den Start etwas unangenehm. Der Fels ist an ein paar Stellen etwas instabil, so dass ich ungesichert nicht allen Griffen getraut habe. Dadurch habe ich die Stelle schwieriger empfunden als angegeben. 

Hat man alle nachgeholt, geht es in einem engen, sehr steilen Geröllhang, umgeben von Felswänden, hinauf zur zweiten Kletterstelle. Auf dem Geröllhang herrscht eine große Steinschlaggefahr und die Steilheit verbietet Fehltritte, die einen ins rutschen bringen könnten. Ist diese Stelle überwunden wartet noch einmal eine IV+ Kletterstelle. Nur etwa 4m senkrecht hoch, für den Vorsteiger nicht absicherbar, dafür aber mit besserem Fels und subjektiv leichter wirkend als die erste Stelle. Die Nachsteiger können wieder bequem über einen Standplatz an einem soliden Baum gesichert werden.

Oben angekommen steigt man weiter hinauf und sollte sich nicht vom Guidebook irritieren lassen. Im Grunde geht es immer mit Steinmännchen markiert bergauf - nie extrem steil und ohne kraxeln zu müssen. Hat man den Sattel erreicht geht es nach rechts weiter, bis man auf 530 hm die schönen Lattone Schäferhütten erreicht. Achtung, mit trinkbarem Wasser sollte man hier nicht rechnen. 2011 und 2012 war hier nur ein winzig kleiner Wassereimer mit toten Eidechsen, in der ansonsten leeren Wassertonne. Die Route folgt nun dem lang gezogenen, breiten Gipfelgrat.  Etwa an dessen Ende, geht es links hinab, auf Geröllhängen bergab.

   

Gefährlicher Geröllhang

 

Bacu Mundaloru - In der Rinne des Felssturzes beginnt die nächste Tagesetappe.

Die Route nähert sich dem Meer und wird spektakulärer. Ein unangenehm steiles Stück, an einem steinschlaggefährdeten Hang, endet in Senkrechtem Fels. Hier darf kein Fehler passieren. Ich würde diese Stelle und den Aufstieg über den Geröllhang des Felsabsturzes am Beginn der kommenden Etappe zu den gefährlichsten Stellen zählen. Bei Regen wird es hier kritisch.

Am Ende dieses unangenehmen Stückes, auf dem der ein oder andere Stein an uns, und auch durch uns losgetreten, vorbeigerauscht ist, kommt die erste Abseilstelle. Diese ist auch zugleich die abenteuerlichste von Allen. Ein Gewirr an "Franzosenseilen" dient als Abseilpunkt.

Es folgt ein Abschnitt mit riesigen abenteuerlichen Grotten. Direkt am Beginn der Grotten befindet sich noch ein heikles Stück. Bei uns war der wenige Meter lange Abstieg nass und extrem rutschig. Also nochmal volle Konzentration. In der letzten Grotte gibt es nochmal reichlich Wasser, das von der Decke tropft und in Gefäßen aufgefangen wird.

Am Ende der Etappe kommen wir auf einer flachen, dafür aber steinigen Lagerstelle (50 hm) an, die sich unmittelbar am Rand eines steilen Geröllhangs befindet. Unter uns ist ein Felsenmeer auf dem man zur Bucht absteigen kann, um zu baden. Vor etwa 10 Jahren gab es hier einen gewaltigen Felssturz. Die sich über mehrere hundert Höhenmeter erstreckende lange Rinne, in der sich die teils zimmergroßen Felsblöcke ihren Weg nach unten gebahnt haben, ist uns bereits von der anderen Hangseite aufgefallen. In der Nacht gibt es einen kleinen Felssturz, mehrere Blöcke krachen laut dröhnend die Rinne hinunter. Vor solch kleinen Abstürzen ist man auf dem Lagerplatz sicher. So ganz sicher fühle ich mich aber nicht, da theoretisch auch von der anderen Seite Steine herunterkommen können. Etwas ist in dieser Nacht merkwürdig. Ein Hämmern, wie ein Stein der laut auf einen anderen geschlagen wird, ertönt über längere Zeit in gleichen Abständen von etwa 10 Sekunden. Wenn jemand die Ursache des Geräusches kennt bitte melden. Ich konnte mir es auf jeden Fall nicht erklären.

Bacu Mundaloru - Schlafplatz

 

 

Einfach bei Trockenheit. Der Einstieg zu den Grotten wird bei Nässe zum Problem.

4. Tagesetappe: Bacu Mundaloru - Cala Sisine

Nach einer wenig erholsamen Nacht packen wir unsere Sachen zusammen. Ich hatte durch meine dicke Exped UL Luftmatratze Glück auf dem Gerölluntergrund, die Anderen mit ihren teilweise nur 1 cm dicken Isomatten weniger. Dafür dürfen wir zu Beginn der Tagesetappe, unmittelbar neben unserem Schlafplatz, eine kurze, einfache Kletterpassage (etwa Grad II) überwinden um weiter voran zu kommen. Es folgt schon bald ein unangenehmer Aufstieg auf dem steilen, manchmal instabil wirkenden Geröllfeld bzw. der Rinne. Genau hier hat sich der Felsabsturz seinen Weg gebahnt.

Hat man diese Stelle überwunden, geht es traversierend und immer wieder ansteigend im Wald weiter, gelegentlich mit Blick auf eine imposante Felswand über uns.

Immer wenn im Buch etwas von schwierig zu finden steht, kann man sich darauf verlassen, dass dem auch so ist. Genauso wie mit der Wasserstelle bei Portu Cuau, die als "hard to find"  beschreiben ist und ohne die GPS Koordinaten (neuste italienische Auflage) kaum zu finden ist, kommen wir wieder mal vom Weg ab. Im Grunde haben wir uns genau an den Text gehalten, landen aber plötzlich an einem reizvollen Aufstieg auf die Hochebene. Da noch eine weitere Etappe am heutigen Tag auf uns wartet, gehen wir weiter ohne den eigentlichen Weg mühselig zu suchen. An einer Höhle vorbei, gelangen wir auf die Hochebene und navigieren mit Hilfe der Karte auf dem teils etwas zugewachsenen Karstplateau mühselig zum nächsten Pfad. Dieser verläuft oberhalb der Originalroute und kann sobald die Routen parallel verlaufen, oder auch erst später,  Richtung Nordosten bergab verlassen werden. Hier benutzen wir zum ersten Mal unser GPS-Gerät. Schnell sind wir wieder auf dem Selvaggio Blu und erreichen in Kürze Cuile Mancosu, den eigentlich nächsten Schlafplatz.

   

Unangenehmer Aufstieg an steilem Geröllhang

 

Blick von oben auf die Kletterstelle. Die Wand im rechten Bildbereich wird traversiert.

Nach einer Rast mit Brot und Parmesan Käse geht es schnell weiter, wollen wir doch noch die nächste Etappe gleich anschließen. Es ist gerade mal 12 Uhr.

Es folgen gefährlich steile Geröllhänge, 4 Abseilstellen (alle gut abgesichert) sowie eine Kletterstelle.

Die erste Kletterstelle ist mit Grad IV, die unmittelbar folgende Traverse ebenfalls mit IV und der Ausstieg mit IV+ angegeben. Ich habe es eher wie folgt wahrgenommen: IV+, IV, III. Nach der Traverse kann man einen Standplatz einrichten und den Rest der Gruppe nachholen. Der Ausstieg ist nicht mit Hakenlaschen gesichert, sondern mit einer Stahlkette an der man sich festhalten kann. Die Stelle ist aber leicht zu klettern und der Fels ist gut. Die Stahlkette benötigt man im Grunde nicht. Früher verlief die erste Kletterstelle anders, begann ein paar Meter weiter und war mit Stahlketten gesichert. Die Kette hängt immer noch (2012) und führt zum beschriebenen Standplatz. Ob diese noch benutzt wird, weiß ich nicht.

Die Etappe zieht sich und statt der angegebenen 5.30 benötigen wir eine Stunde länger bis zur heiß ersehnten Bucht, der Cala Sisine. Wir sind die einzigen hier und kommen nach über 10 Stunden an. Die Doppeletappe war hart. Hinzu kommt der schlechte Schlaf und zu wenige Kohlenhydrate in den letzten Stunden. Ich bin erledigt und verziehe mich nach einem Sprung ins kühle Nass rasch in meinem Schlafsack. Für heute reicht es.

5. Tagesetappe: Cala Sisine - Cala Luna (Küstenvariante)

Die Nacht war erholsam und unsere Körper haben sich zumindest etwas regeneriert. Eine traumhafte Abschlussetappe erwartet uns. Wir haben uns für die längere und seltener begangene Küstenvariante entschieden. Viel weiß ich von diesem letzten Tag nicht mehr. Nur, dass für uns diese letzte Etappe zu den schönsten der Tour gezählt hat. Konditionell wieder anstrengend und häufig zugewachsen. Oft mussten wir in alle Richtungen ausschwärmen bis einer von uns ein Steinmännchen oder ein anderes Wegzeichen gefunden hatte und es auf dem richtigen Weg weiter ging. Auch die Anstrengung der letzten Tage machte sich bemerkbar. Eine kleine Unachtsamkeit in vermeindlich leichtem Gelände und ich, sowie einer meiner Freunde stürzen. Es bleibt bei einer kleinen, oberflächlichen Verletzung. Trotzdem ermahnt es uns, auch wenn die Hauptschwierigkeiten hinter uns liegen immer voll konzentriert zu bleiben. Sieben Stunden habe wir gebraucht und verzichten auf den bereits im letzten Jahr zurückgelegten Weg von der Cala Luna zur Cala Fuili. Dieses letzte Stück ist mit ca. 1.15 Stunden angegeben. Ich bezweifle, dass dies möglich ist, es sei denn man joggt die Strecke oder hat nichts zu schleppen. Selbst in schnellstem Tempo haben wir im letzten Jahr gute eineinhalb Stunden benötigt.  Dieses Mal gönnen wir uns jedoch die Fähre und genießen vom Heck des Bootes aus, den Blick auf diese einmalige Tour - den Selvaggio Blu.

Nachwort

Ich werde auf jeden Fall wieder kommen. Ein kurzes Teilstück des Selvaggio Blu von etwa einer Stunde kenne ich noch nicht. Hinzu kommen noch unzählige andere Wege, Abseiltouren und Höhlen die sich im Nationalpark Golfo di Orosei befinden.

Es ist auch möglich nur Teilstücke des Selvaggio Blu zu gehen, oder bestimmte Etappen auszulassen. So unfreiwillig bei unserem ersten Versuch geschehen: Hier sind wir aufgrund von Wassermangel nach den ersten Kletterstellen an den Lattone Schäferhütten ausgestiegen und Richtung Fahrweg gegangen. Erstaunlich schnell waren wir aus der Wildnis heraus. Ein Geländewagen, voll mit Forstarbeitern, hat uns mit Wasser versorgt und wir haben die Tour fortgesetzt. In einer (gefühlten) Marathonetappe sind wir nicht Richtung Baunei in den nächsten Ort zurück, sondern in entgegen gesetzter Richtung weiter zu unserem Ziel Cala Gonone gelaufen. Folgt man dem Weg immer weiter, kommt man über eine reizvolle Schlucht auf gutem Weg in die Cala Sisine und kann dort auf dem leichteren Normalweg zurück über die Cala Luna und die Cala Fuili nach Cala Gonone. 

Es gibt also noch viele alternative Wegmöglichkeiten.

jan